Inspiration. Oder die Angst vorm weißen Blatt.

Wer glaubt, dass Texterinnen ständig kreativ sein könnten, der irrt gewaltig. Tatsächlich ist Kreativität oft schnöde Durchhaltetaktik. Auch nach vielen Berufsjahren habe ich noch Tage, an denen das weiße Blatt mich einfach nicht meine Arbeit machen lässt.

Nun weiß ich, dass es nicht nur mir so geht, sondern viele Menschen mit diesem Phänomen zu kämpfen haben. Einigen hilft offenbar die zwingende Deadline, in guter Gesellschaft im Übrigen mit Mark Twain, der von sich schrieb: „Gebe es die letzte Minute nicht, würde keine Arbeit fertig.“ Ich persönlich bin kein Freund von dem „Letzten Drücker“, denn zu schnell passieren hier Fehler oder man entscheidet sich für die unausgegorene Lösung, nur weil man fertig werden muss.

Ich arbeite mit festen Zeitkontingenten. Während dieser Zeitblöcke schreibe ich – produktiv oder auch weniger produktiv – an einem „Job“. Auch wenn der Text mal nicht so einfach aus der Feder fließen will, bemühe ich mich in dieser Zeit zumindest erste Ideen zu entwickeln, um beim nächsten Start nicht wieder an der gleichen Stelle ansetzen zu müssen. Es gehen nicht alle Aufgaben gleich einfach von der Hand. Doch oft sind die Arbeiten, die mit „Ladehemmungen“ starten, diejenigen, die mit außergewöhnlichen Ideen enden.

Wo kommen also die Ideen her, die sich nicht einfach so von selbst zeigen wollen?

Wenn das weiße Blatt sich aufplustert und Angst verbreiten, hilft eins am Besten: Anfangen!

Erster Schritt: Ruhig Blut. Nichts verschreckt gute Ideen so sehr wie Druck oder das kleine Wörtchen „muss“. Im ersten Schritt muss gar nichts, außer das IRGENDWAS erstmal auf das weiße Papier kommt. Entweder Ideen, eine Gliederung, ein Satz oder nur eine Sammlung von Worten. Wenn auch das nicht so richtig gelingen will, mache ich diesen Schritt mit dem Stift und nicht mit der Tastatur. Mit dem Stift in der Hand ist mein Hirn noch viel unverbindlicher und sammelt erst mal Ideen ohne schon an Formulierungen oder Formatierungen zu feilschen.

Zweiter Schritt: Den Ort wechseln wenn man feststeckt. Sich festhalten an einer unlösbaren Aufgabe hilft nicht weiter. Solang noch etwas aus der „Feder“ fließt, sollte man natürlich sitzen bleiben. Wenn einem aber einfach gar nichts einfallen will, dann hilft es den Körper zu bewegen. Ich gehe dann schnell kleine Besorgungen machen: Gang zum Briefkasten, Müll weg bringen, Tee kochen usw. Wichtig dabei ist, dass ich mich vom Schreibtisch weg bewege. Genauso wichtig ist aber nicht zu weit vom Schreibtisch weg zu gehen – ich will ja Ideen aufschreiben und nicht vor der Aufgabe wegrennen.

Dritter Schritt: Das scheiben, was geht. Der Text muss nicht in der Reihenfolge geschrieben werden, in der es nachher gelesen wird. Wenn mir gerade für den Einstieg nichts einfällt, dann fange ich eben mit dem Mittelteil oder dem Ende an. Tatsächlich schreibe ich 80% meiner Einstiege sowieso nach Beendigung des Textes um. Und hier gibt es gleich noch eine wichtige Regel: Nichts was auf das vermaledeite weiße Papier geschrieben wird, ist in Stein gemeißelt. Man findet in den seltensten Fällen direkt beim ersten Mal die richtige Formulierung. Eher ist Text wie eine Modelliermasse, die umformuliert, umgestellt, gestrichen, neu ausgerichtet und noch mal überdacht werden will.

Meiner Erfahrung nach ist die Angst vor dem weißen Papier oft schon gebannt, sobald ein paar Begriffe oder erste Sätze darauf stehen. Dann kommt man in den Schreibfluss und findet sich in die Thematik ein. Geduld mit sich selbst und der eigenen Kreativität ist also angesagt. Die Inspiration möchte manchmal geweckt und umschmeichelt werden.

Wenn das weiße Papier sich also das nächste Mal vor Ihnen gebärdet wie wild, lassen Sie sich nicht beeindrucken. Das ist nur Show. Fangen Sie an! Sie werden begeistert sein, wie schnell sich Ihre Schreibblockade in Luft auflöst. An dieser Stelle halte ich es nämlich sehr gerne mit Mark Twain: „Schreiben ist ganz einfach, man muss nur die falschen Worte weg lassen!“

 

 

 

 

 

 

 

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
 der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“


(Zitat: Hermann Hesse)

Heute ist der Tag der Tage. Ich verlasse den Schreibtisch und schreibe in die weite Welt hinaus. Um genau zu sein – schreibe ich ins World Wide Web. Nach vielen Wochen der Orientierung, der Profilschärfung und des Rumfeilens ist es heute soweit. Meine Internetseite geht online sowie mein Blog.

Zu welchem Thema aber schreibt man eigentlich seinen ersten Blog-Eintrag?

Nun, ich bin zwar ein Frischling, was meine eigene Unternehmenspräsenz angeht. Aber beruflich begleite ich schon seit vielen Jahren Unternehmen bei Ihrer Kommunikations-Strategie, entwickle Positionierungen und erforsche die Möglichkeiten der digitalen Welt. Wer hätte gedacht, dass es so viel schwieriger ist, für mich selbst zu schreiben?

Diesem Gedanken folgend, bin ich auf ein Phänomen gestoßen, welches ich oft schon bei Kunden beobachtet habe. Die Strategie ist klar, die Positionierung stimmig und dann fängt die „Schieberietis“ an. Wir haben noch nicht alle Details bedacht, ein Mitbewerber hat gerade eine neue Idee auf den Markt gebracht, die neuesten Analysezahlen sagen etwas ganz anderes aus… Projekte ziehen sich ins Unendliche.

Was macht es so schwer einfach loszulegen, dem Erarbeiteten zu vertrauen und die Ideen der Realität zu übergeben? Es gibt diverse Stolpersteine – die den Anfangszauber zur Stillstandsstarre verwandeln.

Stolperstein Nr.1: Die Perfektionsfalle.

Seien wir ehrlich. Die perfekte Strategie, die perfekte Botschaft, das perfekte Bild gibt es nicht. Und wenn wir noch solange daran feilen und noch so viel recherchieren, analysieren und bedenken – selbst wenn wir noch zehn Experten mehr dazu befragen – wir werden nicht zu dem perfekten Ergebnis kommen. Also ist irgendwann der Punkt gekommen, an dem ein semigutes Ergebnis, das richtige Ergebnis ist. Und das soll kein Befürworten der Mittelmäßigkeit sein, sondern vielmehr der Ruf des pragmatischen Lebens. Im übrigen – Wussten Sie, dass Perfektionismus aus dem Lateinischen stammt und sich übersetzt als den übertriebenen Drang zur Vervollkommnung? Wer will denn da noch perfekt sein?

Stolperstein Nr. 2: Die Angst vor der Kritik

Im Kopf ist uns das ja längst klar. Natürlich können nicht alle unserer Meinung sein. Das wäre ja auch schlimm, denn dann wäre unser Profil so flach und so verschwommen, dass wir nie als etwas Besonderes zu erkennen wären. Wenn da nur nicht dieses kleine zarte Stimmchen in uns wäre, das sich einfach nur wünscht VON ALLEN GEMOCHT zu werden. Dieses zweifelnde Gefühl, welches Widerspruch als Ablehnung versteht, welches Kritik als persönliche Niederlage interpretiert und welches uns zu allem Überfluss auch noch ständig Verzögerungstaktiken ins Ohr flüstert. Schluss damit: Wer intensiv daran arbeitet, seine Einzigartigkeit heraus zu kristallisieren, kann diese dann nicht mit Relativitäten wieder zudecken.

Stolperstein Nr. 3: Bloß keine Fehler machen.

Wir sind zwar alles Menschen – und andere Menschen dürfen auch gerne Fehler machen – aber wir selbst? Nein. Wir wären ja unprofessionell, wenn wir Fehler nicht sofort als solche entlarven würden. Natürlich kennen wir auch alle die Sprüche: Irren macht menschlich. Unfehlbare sind unsymphatisch. Aus Fehlern lernt man. Selbst Einstein machte Fehler. Also bleibt uns wohl nichts anderes übrig – als auch menschlich zu werden. Und sollte sich bei uns ein Fehler eingeschlichen haben – dann nehmen wir es sportlich, stehen dazu und lernen daraus.

Ich habe mich bei meiner Internetseite und meiner SocialMedia-Strategie gewunden und gewunden – und glauben Sie mir, ich habe gekämpft wie eine Löwin, um alle Eventualitäten zu bedenken. Und je näher ich dem Startdatum kam, desto größer wurde der Berg an Eventualitäten. Bis ich in einer Runde von anderen Unternehmerinnen das Thema offen angesprochen habe. Und da gab mir Heide Liebmann (http://www.heide-liebmann.de), die erfahrene Potenzialdedektivin, folgenden Rat: „Besser unperfekt anfangen als perfekt zögern!“ Dieser Spruch hängt seitdem über meinem Schreibtisch und beruhigt meine inneren Stimmchen und mein nörgelndes Perfektionismusgeplapper im Hintergrund.

Ich wünsche Ihnen allen einen zauberhaften Anfang – womit auch immer Sie im Moment am Start stehen. Und lassen Sie uns gemeinsam die Stolpersteine aus dem Weg räumen. Eine Welt ohne Fehler wäre eine arme Welt. Deshalb, auf ins Abendteuer und fleißig Fehler gemacht!